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Impressionen aus dem Osten der Türkei

Samstag, 02. November 2013

Unverhofft durfte ich dieses Jahr gleich mehrmals mir bis dahin unbekannte Orte der Türkei jenseits der Ströme des Massentourismus bereisen.

Über Kapppadokien, das Ziel für Touristen aus aller Welt, möchte ich deshalb hier nicht viele Worte verlieren. Nur drei Punkte halte ich fest: 1. Seit meiner ersten Reise nach Kappadokien vor 27 Jahren mit dem damals Noch-nicht-Ehemann sind die Straßen in der Türkei sehr viel besser geworden. Damals rumpelten wir teilweise noch über Schotterpisten. 2. Den Ort zu dem Bild, das ich in der Erinnerung mit Kappadokien verband, habe ich nicht wiedergefunden. 3. Den Zeltplatz bei Göreme, auf dem wir 1986 übernachtet haben, gibt es immer noch. Neues Stichwort für künftige Erinnerungen: Ballons bei Sonnenaufgang. Schön.

Zur geografischen Orientierung: Karte der Türkei, auf der die in diesem Blogpost genannten Orte markiert sind

Von Kappadokien ist es nicht mehr weit bis Kayseri, und dort liegt der längst erloschene Vulkan Erciyes, der an der Entstehung der märchenhaften kappadokischen Tufflandschaft nicht ganz unbeteiligt war.
Erciyes
Erciyes Dağı, 3917 m

Zu den Sportarten, die ich in der Türkei noch nicht praktiziert habe, gehört das Skilaufen. Das Skigebiet am Erciyes hat inzwischen einiges zu bieten an Bahnen, Pisten und sonstiger Infrastruktur und macht Lust darauf, einmal im Winter mit Skiern dorthin zu reisen. Eine große neue Moschee darf nicht fehlen so in der Nähe von Kayseri, der boomenden Stadt der Frommen und Geschäftstüchtigen.
Erciyes

Noch weiter im Osten der Türkei wird die Landschaft geprägt von GAP, dem südostanatolischen Bewässerungsprojekt.
Anflug auf Elazığ
Anflug auf Elazığ

Seit ich als Jugendliche begeistert Bücher über Ausgrabungen im Nahen und Mittleren Osten gelesen habe, steckt der Begriff Mesopotamien für mich voller Magie. Auch wenn das eigentliche Zweistromland weiter südöstlich liegt im Bereich der heutigen Staaten Syrien und Irak, führte die Reise immerhin an den Oberlauf von Euphrat und Tigris (Fırat ve Dicle) bzw. zu ihren Zuflüssen. Schon das sorgte für meine Vorfreude – und die wurde nicht enttäuscht.

Sehr eindrucksvoll war der Besuch in dem Dorf, aus dem ein guter Freund meines Mannes stammt. Heute ist das Dorf weitgehend verlassen, nur wenige ältere Menschen wohnen noch immer dort.
Euphrat
Die grandiose Aussicht und die grünen Gärten am Berghang hoch über dem Euphrat dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, wie hart das Leben in diesem Dorf einst war und welche Furchen und Narben die widrigen Lebensbedingungen bei einigen hinterlassen haben. Eine trügerische Idylle. Ein Beispiel dafür, wie sehr sich das Leben der Menschen in der Region gewandelt hat, ist die junge Lehrerin, die im Dorf geboren wurde und dort aufwuchs, der das Studium nur durch den Bruder und nicht die Eltern ermöglicht wurde, die nun froh ist, dass sie seit einigen Monaten ihr Kopftuch auch beim Unterrichten tragen kann und die nicht auf die Idee käme, wegen ihrer zwei Kinder ihre Berufstätigkeit aufzugeben. Wie anders wäre ihr Leben im Dorf verlaufen.

Über dem Murat, einem Quellfluss des Euphrat, mit dem er sich im Keban-Stausee vereinigt, ragt eine markante Felsformation mit der Burg von Palu empor. Der Aufstieg lohnt sich gleich mehrfach: Die alte Brücke über den Fluss soll auf die römische Zeit zurückgehen, Ruinen aus byzantinischer und osmanischer Zeit säumen den Aufstieg, unter dem Gipfel findet sich eine große Stele mit einer urartäischen Inschrift, heutige Tafeln weisen darauf hin, dass das Felsmassiv schon vor tausenden von Jahren von Menschen bewohnt wurde und Gänge bis hinunter zum Fluss führten.
Palu

Auch die Aussicht lohnt sich. Ein wenig fühlte ich mich an den Rhein erinnert. Am liebsten hätten auch wir gleich ein Floß bestiegen wie einst Helmuth Graf von Moltke in den 1830er Jahren: „Ein sehr solides Floß aus sechzig Häuten wurde zu Palu gebaut, wohl verproviantiert und mit vier rüstigen Ruderern bemannt; ich bestieg es am 10. Juli in Begleitung von zweien meiner Leute und einem Aga des Paschas, alle gut bewaffnet, versah mich mit Bussole und Instrumenten und nahm von Ort zu Ort einen des Flusses kundigen Steuermann mit.“
Palu-Murat

Der Hazar-See ist ein natürlicher See, der nicht mit dem Euphrat und künstlichen Staustufen verbunden ist. Der See ist ein beliebtes Ausflugsziel, in den Bergen liegt das kleinere Skigebiet Hazarbaba.
Sivrice, Hazar Gölü

Ein alter Han im Zentrum von Diyarbakır. Überraschend empfing uns die Stadt mit einer umfangreichen Broschüre über die historischen Bauten. Der Bummel durch die Straßen weckte entfernte Erinnerungen in mir an arabische Städte in Jordanien. Auffällig die hohe Polizeipräsenz. In den Außenbezirken wuchern moderne Bauten wie in allen türkischen Städten.
Diyarbakır

Blick von der Stadtmauer um Diyarbakır auf das fruchtbare Land am Tigris.
Diyarbakır

Wegen eines neuen Staudamms nur noch bis 2016 so zu sehen: Hasankeyf.
Hasankeyf

Im Tur Abdin liegen Städte wie Midyat und Mardin, in deren steinernen Altstädten auch christliche Bauten erhalten sind. Von Mardin aus geht der Blick weit übers Land bis hin nach Syrien. Die Grenze ist hier nur rund 20 Kilometer entfernt. Nicht zuletzt Flüchtlingslager zeugen davon.
Mardin

Eine grüne Oase des Friedens: der Park um den „Teich des Abraham“ in Şanlıurfa, eine Stadt, die noch arabischer wirkt. Eine Stadt, für die ich gerne viel mehr Zeit gehabt hätte, auch für Erkundungen auf alttestamentarischen Spuren im Harran etwa und einen Besuch des Göbekli Tepe.
Şanlıurf

Über das UNESCO-Welterbe Nemrut Dağı brauche ich nicht viele Worte zu verlieren. Ein Besuch bei Sonnenuntergang übertrifft alle Erwartungen.
Nemrut Dağı



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