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Unter den Brücken von Istanbul

Mittwoch, 07. September 2016

Meine Eroberung von Istanbul, Teil 6.

Auf eigenem Kiel durch den Bosporus – ein Traum wurde wahr. Seit vielen Jahren hatte mein gebürtiger Istanbuler vor, einmal mit dem eigenen Segelschiff unter den Bosporusbrücken hindurchzufahren. Frühere Anläufe scheiterten aus verschiedenen Gründen vorzeitig. Dieses Jahr gelang unser Vorhaben endlich.

Für mich war die Bosporusdurchquerung ein weiterer Meilenstein meiner sportlichen Eroberung von Istanbul. Nach zwei Läufen über den Bosporus und drei Bosporusschwimmen folgte damit der sechste Teil meiner sportlichen Eroberung von Istanbul: auf eigenem Kiel durch den Bosporus segeln.


Als wir an einem Tag Ende Juni von der Kalamış & Fenerbahçe Marina am asiatischen Ufer von Istanbul aus Kurs auf den Bosporus nehmen, sieht die Kulisse dramatisch aus (ich denke an Shakespeare). Von den der Türkei bevorstehenden politischen Turbulenzen ahnen wir nichts.

Einfahrt in den Bosporus
Unser Blick ist nach vorn gerichtet auf die Hochhäuser im Finanzviertel Levent. Gut zu sehen ist der Kız Kulesi, der „Mädchenturm“, auch als Leanderturm bekannt, eins der Wahrzeichen der Riesenstadt und nur per Schiff erreichbar.


Das Gewimmel der Fähren in diesem Bereich ist unglaublich. Man kann kaum so schnell gucken, wie sie von allen Seiten auftauchen und wieder verschwinden.


Während wir uns ganz allmählich dem europäischen Ufer nähern,


geht der Blick immer wieder zurück zum historischen Kern Istanbuls mit dem Topkapı-Palast und den großen Moscheen aus osmanischer Zeit.


Die beiden Skipper strahlen übers ganze Gesicht. Auf unserer Bosporusdurchquerung am Steuer zu stehen, ist ein ganz besonderes Gefühl.


Noch schöner ist, dass wir für kurze Zeit Passagiere an Bord haben: Sohn 2 und Sohn 3 begleiten uns und fotografieren hier vor dem Hintergrund der Schwimmstrecke beim Bosporussschwimmen.


Am linken Ufer gleitet Bebek vorbei. Bin ich hier wirklich schon drei Mal in anderer Richtung vorbeigeschwommen? Das Wasser lockt jetzt nicht, denn leider treiben, wie auch bei unserem letzten Schwimmen 2014, immer wieder Müllteppiche vorbei.


Schneller als gedacht kommt schon die dritte Brücke in Sicht, die noch nicht für den Verkehr freigegeben ist, als wir unter ihr hindurchfahren. Inzwischen ist sie offiziell eingeweiht.


Nach einem kurzen Schlenker ins Schwarze Meer legen wir in Poyrazköy am asiatischen Ufer an, von dort geht der Blick zurück zur dritten Brücke und zum Bosporus.


Als wir uns am nächsten Tag auf den Rückweg durch den Bosporus Richtung Marmarameer machen, reicht der Wind leider nicht zum Segeln. Aber stellenweise schiebt die Strömung so stark, dass der GPS-Plotter Rekordgeschwindigkeiten anzeigt.


Im Handumdrehen kommt die Festung Rumeli Hisarı am europäischen Ufer in Sicht, uns vom Schwimmen bestens vertraut. Sie zeigt sich in bestem Licht.

Doch dann wird es turbulent. Ein Ruck geht durchs Schiff. Nein, gestrandet sind wir nicht. Aber etwas hat sich in der Schraube verfangen. Sohn 2 zögert nicht lange, zieht die Badehose an und geht mit Tauchermaske und Bootshaken bewaffnet ins Wasser. Der Übeltäter ist ein fester Plastiksack, den Sohn 2 zum Glück schnell wieder vom Propeller lösen kann.

Viel Zeit zum Aufatmen bleibt nicht, das nächste Unheil droht.


Die dunklen Wolken, die in der Ferne aufgezogen sind, kommen schnell näher. Und dann ist der Wolkenbruch da. Es regnet mit aller Macht aus allen Schleusen des Himmels. Istanbul bei Sonne kennt jeder. Istanbul im Unwetter ist ein Erlebnis.


Ganz vorsichtig tasten wir uns durch das Fährengewimmel voran, sehen kann man im dichtesten Regen teilweise kaum die Hand vor Augen. Durchnässt bis auf die Haut sind wir längst, kalt ist es aber nicht.


Als wir uns Kadıköy auf der asiatischen Seite nähern, ist der Spuk wieder vorbei und Istanbuls Kulisse reingewaschen. (Die Gerüche überlaufender Kanalisation verfolgen uns noch bis zur Kalamış & Fenerbahçe Marina.)

Zwei unvergessliche Tage liegen hinter uns. Eingebettet waren sie in einen langen Törn, über den sich ebenfalls viel erzählen ließe. Ich bin sehr dankbar für diese einmaligen Erlebnisse.



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