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European Masters Games 2015 in Nizza

Freitag, 30. Oktober 2015

Sportlich aktiv ohne Grenzen

Wer einmal bei internationalen Masters Games dabei war, wird unweigerlich von einem Virus befallen: Dabei sein ist alles, der olympische Grundgedanke steht bei diesem Sportereignis im Mittelpunkt.

Gleich nach den World Masters Games 2013 in Turin freute ich mich deshalb schon die auf europäischen Masters Games im Oktober 2015 in Nizza. So lange vorauszuplanen ist nicht ganz einfach, aber letztlich zeigte sich einmal mehr, dass sich ein Weg findet, wenn der Wille da ist und die passende Portion Glück hinzukommt.

Mehr als 7000 Sportlerinnen und Sportler aus 76 Ländern kamen in Südfrankreich zusammen, um sich in 27 Sportarten zu messen. Am Ende konnte ich vier Medaillen mit nach Hause nehmen, die ich in 2 Sportarten in 4 Disziplinen errang – eine unerwartet reiche Ausbeute: Gold im Tennisdoppel, Silber im Tenniseinzel, Silber im 1500-Meter-Freiwasserschwimmen, jeweils in meiner Altersklasse 55+. Dass im Medaillenspiegel die Bronzemedaille im Tennismixed als vierte Medaille fehlt, liegt daran, dass mein Partner und ich erst kurzfristig vor Ort ein Team bildeten, das im offiziellen Ergebnisspiegel aber nicht angezeigt wird.

Zurück zum Anfang:


Die European Masters Games (EMG) beginnen mit der Akkreditierung im Zentrum von Nizza.


Keinesfalls verpassen darf man die Eröffnungszeremonie mit dem Einzug der Fahnen der Herkunftsländer der Sportlerinnen und Sportler. Erstes Gänsehaut-Feeling trotz beginnenden Regens.


Falls sich jemand wundert über die Flaggen außereuropäischer Läner und die oben genannte Zahl 76 der Herkunftsländer: Es gibt eine einfache Erklärung. Die Masters Games sind keine offiziellen Meisterschaften, zu denen Sportler entsendet werden, sie sind offen für jeden, der teilnehmen mag, unabhängig von Normen und Nationalitäten. Nur ein Mindestalter ist in allen Sportarten vorgeschrieben.


Wunderschön angelegt ist das Gelände des Tennisclubs Nice Giordan Les Combes einige Kilometer nördlich von Nizza im Tal des Var.


Die Anlage beherbergt mehrere Hart- und Sandplätze, eine Halle und weitere Außenlätze sind in Bau.


Kurz vor Beginn der EMG wird uns mitgeteilt, dass die Dameneinzel auf Hartplatz ausgetragen werden. Vorsichtshalber schalten meine Doppelpartnerin und ich ein Trainingsstündchen auf dem ungewohnten Hartplatz vor.


Das erste Einzelmatch wird doch auf einen Sandplatz gelegt. Obwohl ich auf dem Bild den Kopf hängen lasse, gehe ich als Siegerin vom Platz, so wie auch in den nächsten Vorrundenspielen bis einschließlich Halbfinale.

Aber bevor es so weit ist, steht das Freiwasserschwimmen auf dem Programm.


Am Tag vor dem Schwimmen hat es pausenlos geregnet, eine Seltenheit an der Côte d’Azur. Der Gedanke ans Schwimmen im Meer ist im Dauerregen ziemlich abwegig. Noch dazu muss ich am Samstagmorgen vor 7 Uhr – und damit im Dunkeln – im Startbereich sein, um Kappe und Chip für den Start zu erhalten. „Da kommt doch niemand“, mutmaßt der Herr Begleiter.


Im Gegenteil! Über 100 Freiwasserschwimmerinnen und -schwimmer samt Begleitern finden sich am Strand ein und werden mehrsprachig gebrieft über Streckenverlauf und Verhaltensregeln.

Bei 12,5 Grad Lufttemperatur vor dem Start sind Aufwärmübungen willkommen, wie das Video zeigt. ;-)


Endlich geht es ins Wasser, das an dem Tag eine Temperatur von angenehmen 20,5 Grad hat.


Die Startlinie liegt zwischen zwei Begleitbooten im Wasser.


Los geht’s für 1500 und 3000 Meter Freiwasserschwimmen.

Vom Ziel gibt es keine Fotos. Ich habe den Herrn Begleiter nicht richtig gebrieft. Er irrt noch auf der Suche nach mir herum, nachdem ich meine 1500 Meter längst absolviert habe und mir im nassen Badeanzug immer kälter wird, obwohl die Lufttemperatur nun immerhin 15,5 Grad erreicht.

Aber alles wird gut. Die Siegerehrung warten wir nicht ab, weil das nächste Tennismatch auf dem Programm steht, das vom Regenvortag verlegt werden musste. Medaillenhoffnungen hatte ich beim Schwimmen sowieso nicht und suche erst abends im Internet nach den Schwimmergebnissen, weil ich endlich meine Zeit wissen möchte. Dann die große Überraschung: Ich bin Zweite meiner Altersgruppe und habe damit meine erste Medaille gewonnen! Silberjubel!

In der Nacht zum Sonntag regnet es erneut, diesmal heftiger und länger als am Vortag. Sintflutartiger Regen ergießt sich über Stunden über die Region. Überschwemmungen, Erdrutsche und vollgelaufene Keller sind die Folgen, schlimmer noch, mehrere Menschen kommen ums Leben.

Der Einsatz der freiwilligen Helfer ist bewundenrswert, die Spiele gehen weiter, so gut das möglich ist. Bei den Siegerehrungen werden Schweigeminuten eingelegt.


Die nächste Medaille kommt bald dazu: Silber im Tenniseinzel. Diesmal ist die Freude von einem sportlichen Wermutstropfen getrübt. Bei 6:4, 4:2 und 40:0 wähne ich mich schon auf dem Weg zur Goldmedaille, als sich das Tennisblatt dreht. Meine Gegnerin wird stärker, ich werde unsicherer. Aber was soll’s, gerade das macht den Reiz des Tennissports aus.
Was am Ende zählt: Match verloren, Silber gewonnen!

EMG Nice 2015
Die dritte Medaille erspielen mein Partner und ich im Tennismixed: Bronze! Frank Konietzky hielt bereits bei den European Masters Games in Malmö 2008 und in Lignano 2011 die Fahne seiner Heimatstadt Weißwasser hoch, im Tennis ist er das erste Mal aktiv.


Ausflug zu den Leichtathleten: Unser ungarischer Freund springt Weltjahresbestleistung im Dreisprung in seiner Altersklasse und gewinnt Gold.


Gemeinsam gespielt haben wir schon in Turin. Diesmal gibt es nur Siege für Erzsi und mich im Damendoppel.


Gedränge auf dem Treppchen und das Beste zum Schluss: Goldmedaille im Tennisdoppel, erspielt ohne Satzverlust.


Vorletzter Tag der Spiele, Abschied vom Tenniswettbewerb und ein großer Dank an die Organisatoren. Im Vergleich zu Turin ist die Organisation der Tennisrunde vorbildlich, das Team um Bérenger Buffe bemüht sich nach Kräften und mit der nötigen Portion Humor, allen Teilnehmerwünschen gerecht zu werden. Selbst die Folgen des Unwetters werden schnellstmöglich beseitigt, damit die Plätze wieder bespielbar sind. Da lässt sich der Wechsel zwischen Hart- und Ascheplatz verkraften.

Einen Medaillenspiegel nach Ländern gibt es bei den European Masters Games als nette Dreingabe außerdem:

Die nächsten World Masters Games werden 2017 in Auckland ausgetragen. Selbst der Herr Begleiter ist inzwischen infiziert und sinnt über eine Teilnahme nach. Wir werden sehen!



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