tennis

« « Mein erster Triathlon

Schwimmen von Griechenland in die Türkei

Freitag, 21. Juli 2017

7,1-km-Schwimmen von der griechischen Insel Meїs nach Kaş am türkischen Festland

Bereits zum 13. Mal wurde dieses Schwimmen organisiert, das an einem traumhaft schönen Küstenabschnitt Freiwasserschwimmer aus aller Welt zusammenführt und zur lokalen türkisch-griechischen Freundschaft beiträgt. Die griechische Insel Meїs (Megisti, Kastellorizo) liegt als östlichste griechische Insel rund 65 Seemeilen von Rhodos entfernt, während die türkische Küste gleich gegenüber ist. Die Inselbewohner kommen zum Markttag nach Kaş zum Einkaufen, während täglich Touristen für einen Besuch hinüber zur Insel fahren.

Zur geografischen Orientierung zeige ich hier einen Kartenausschnitt. Der gelb umrandete Bereich um Kaş und Meїs ist in dem quadratischen Bereich darunter vergrößert abgebildet, die gestrichelte Linie deutet die Schwimmstrecke an:
Meis-Kas-Schwimmen

Das ist der Blick auf die Schwimmstrecke, aufgenommen von den Bergen, die gleich hinter Kaş steil aufragen. Der Startpunkt ist im Bild oben rechts zu sehen, das Ziel liegt oberhalb der schmalen Landzunge ganz links außerhalb des Bildausschnitts:
Meis-Kas-Schwimmen

Gehört hatte ich von diesem Schwimmen schon oft und ich wollte so gerne einmal dabei sein bei dieser für mich perfekten Kombination aus lykischer Küste und Freiwasserschwimmen. Aber 7,1 km, so lange war ich als Lischen Normalschwimmerin bis dahin noch nie im Wasser unterwegs. Nach Bosporusschwimmen (2011, 2012, 2014), European Masters Games (2015) und Dardanellenschwimmen (2016) wollte ich es zumindest versuchen! Sowohl beim Bosporus- als auch beim Dardanellenschwimmen legt man zwar auch über 6 km im Wasser zurück, aber da die Strömung fleißig schiebt, kommt man schneller vor an als in einem Gebiet ohne nennenswerte Strömung – so wie zwischen Meїs und Kaş. Meine zu erwartende Schwimmzeit würde also sehr viel länger sein. Stundenlang.

Das Anmeldeprozedere war mit Hindernissen verbunden: Zunächst dauerte es lange, bis überhaupt das genaue Datum für den Wettkampf angekündigt wurde. Ob das Schwimmen in diesem Jahr terminlich für uns (d. h. für Sohn 2 und mich) überhaupt machbar sein würde? Der Termin Anfang Juli passte letztlich zum Glück, lag aber nur eine Woche entfernt von meinem ersten Triathlon, auf den ich mich schon seit Monaten freuen konnte. Die Anmeldung zum Schwimmen in Kaş war erst im Juni abgeschlossen, wenige Wochen vor dem Wettkampftermin – da blieb nicht viel Zeit für Vorfreude und gezieltes Training.

Dem Start geht eine Hitzewarnung voraus: Hitze ist man an der türkischen Südküste im Juli gewohnt, aber in den Tagen um das Schwimmen ist die Hitze bei Temperaturen von über 40 Grad extrem. Entsprechend warm ist das Wasser.
Und schon geht’s los mit einem Sprung der rund 200 Schwimmerinnen und Schwimmer ins gar nicht kühle und tiefblaue Wasser im Hafen von Meїs:

(Wer ganz genau hinsieht, entdeckt in den ersten Sekunden des Videos mich bei den ersten Schwimmzügen, gefolgt von Sohn 2).

Der Beginn des Schwimmens ist herrlich. Ich weiß, warum ich Freiwasserschwimmen so liebe: Dieses Gefühl der Weite und der Schwerelosigkeit ist einmalig.
Das Wasser ist ruhig, die Kräfte sind noch frisch.

Sollte man, so hieß es im Vorfeld, nach einer Stunde nicht den Bereich der langen Hafenbucht verlassen haben, werde man von den Begleitbooten aufgenommen, weil gegen Mittag die Fähre aus Rhodos erwartet werde. Dieser Gedanke begleitet mich in der ersten Stunde: Das Schwimmen wurde verspätet gestartet, was, wenn ich die Letzte bin und gar nicht weiterschwimmen darf?

Die Furcht ist unbegründet: Ich sehe noch andere Schwimmer um mich herum, als ich die ersten Kajaks erreiche. Sie führen nicht nur Trinkwasser für die Schwimmer mit sich, sondern zeigen auch, dass man türkische Gewässer erreicht hat. Die Fähre ist nicht in Sicht, puh.

Ich schwimme und schwimme und versuche die Bojenmarkierungen zu finden, die uns auf der Überfahrt mit dem Schiff zum Start gezeigt wurden. Ich erreiche wirklich ihre Nähe, erfahre aber später, dass sie vertrieben wurden.
Denn obwohl das Meer ziemlich ruhig ist, weht doch eine Brise, die geeignet ist, Bojen und Schwimmer vom Kurs abzubringen. Die Erkenntnis, dass ich den geplanten Kurs nicht ohne Weiteres quer zu Wind und Wellen halten kann, dämmert mir nur langsam. Aber ich habe ja unendlich viel Zeit, das Ufer ist noch sehr weit weg. Alles ist blau: das Wasser, der Himmel. Allmählich werden die Schultern schwer. Ich schwimme. Und schwimme. Irgendwie weiter.

Die wichtigste Landmarke ist das antike Theater westlich des Zielpunkts, es ist von Weitem gut auszumachen. Ich schwimme und schwimme darauf zu und doch wandert es beharrlich aus. Die windbedingte Strömung ist eigentlich harmlos, aber umso spürbarer, je länger ich unterwegs bin und desto müder ich werde.
Bei vier Stunden liege das Zeitlimit, hieß es im Vorfeld. Ich bin wild entschlossen, das Ziel schwimmend zu erreichen. Nicht herausgefischt werden, weiterschwimmen, rundherum ist alles blau, warum ist das Wasser so warm, die Sonne knallt unbarmherzig auf meine Rückseite, schwimmen.

Das Ziel ist mit einer großen türkischen Flagge markiert, die schon von Weitem gut sichtbar ist. Und doch dauert es, bis sie näherkommt.

Meis-Kas-Schwimmen

Sohn 2 und ich haben unser persönliches Begleitteam auf dem Wasser und an Land. Sohn 3 und mein bester Coach von allen sind live dabei. :-)

Meis-Kas-Schwimmen

Endlich! Ich habe das Ziel erreicht. Leider etwas langsamer, als ich mir gewünscht hätte, aber was macht das schon.

Meis-Kas-Schwimmen

Auch Sohn 2 erreicht das Ziel ...

Meis-Kas-Schwimmen

... und wir sind erschöpft und glücklich zugleich.

Meis-Kas-Schwimmen

Zum Schluss erwartet mich die größte Überraschung: Ich bin in meiner AK (W55-59) Dritte!

Meis-Kas-Schwimmen



Kommentare: (per RSS abonnieren)



Name:

Email:

URL:

Persönliche Angaben speichern

Benachrichtigung bei Folgekommentaren

Frische Kommentare


Rubriken


Archiv


Syndizieren


Blog durchsuchen




Beliebte Einträge

Tenniskleider
Das Warten geht weiter
Aquathlon und Duathlon
Tennistaschen
Tennis in Stuttgart II
Schade
Mein erster Halbmarathon
Australian Open
Tennistraining für das Jahr des Schwimmens
Geht doch!